FPÖ-Stiftungsrat droht, ORF-Reporter zu entlassen

In einem Interview mit den Salzburger Nachrichten hatte der blaue ORF-Stiftungsrat Norbert Steger eine "objektivere Berichterstattung" des Senders gefordert und mit Einschnitten bei den Auslandsbüros gedroht. Die ORF-Spitze soll von einer Allein- auf eine Gesamtgeschäftsführung umgestellt werden.

Laut ORF-Stiftungsratsmitglied Norbert Steger soll nun ein Drittel der Auslandskorrespondenten-Stellen gestrichen werden. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz stärkte noch in der Nacht auf Samstag seinem Ungarn-Korrespondenten Ernst Gelegs den Rücken: Per Twitter teilte Wrabetz mit, er habe den Vertrag mit Gelegs "nach der ausgezeichneten Berichterstattung zur ungarischen Wahl" bis 2021 verlängert. Wichtig sind Steger, der im Mai voraussichtlich den Vorsitz des ORF-Stiftungsrates übernehmen wird, auch neue Social-Media-Richtlinien für Redakteure: "Wer dagegen verstößt, wird zunächst verwarnt - und dann entlassen". Steger ist zudem als neuer Stiftungsratsvorsitzender im Gespräch. Die Redakteursvertreter protestieren gegen "diese Form von Einschüchterung" und den Versuch, Berichterstattung politisch zu beeinflussen.

Das sind die wichtigsten Inhalte der Vereinbarung, die am Donnerstag von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, den ORF III-Geschäftsführern Eva Schindlauer und Peter Schöber sowie NÖKU-Geschäftsführer Paul Gessl unterzeichnet wurden. Außerdem kündigte er an, dass zu den 16 Korrespondentenbüros bis 2020 noch zwei weitere dazukommen würden. "Ein ORF-Stiftungsrat, der gegen sein eigenes Unternehmen hetzt und einen untadeligen Kollegen erkennbar bedroht, wird uns als Redakteurssprecher der ORF-KorrespondentInnen selbstverständlich beschäftigen", erklärte Brüssel-Büroleiter Peter Fritz. "Ich hatte nicht vor, Herrn Dr. Steger einen strafbaren Vorwurf zu machen, und bitte um Entschuldigung, falls dies so verstanden wurde". Redakteursratsvorsitzender Dieter Bornemann sprach von einem direkten Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und einem neuerlichen Tiefpunkt der Medienpolitik.

"ZiB 2"-Moderator Armin Wolf, der zuletzt im Visier der FPÖ stand und Freitagabend in Deutschland eine Besondere Ehrung beim renommierten Grimme-Fernsehpreis entgegen nahm, meldete sich nach der Verleihung via Twitter". Tolle Idee 'Objektivität' von Parteienvertretern bewerten zu lassen. In einer Aussendung forderte er eine Entschuldigung sowie Klarstellung von Steger. Wolf wies auch auf die rechtliche Lage hin: "Der ORF-Stiftungsrat ist weder für die Streichung von Korrespondenten noch für die Verwarnung oder Entlassung von ORF-Journalisten zuständig".

Stegers Äußerungen, er wolle das Korrespondentennetz "schwächen und missliebige Korrespondenten ablösen, ist auf das Entschiedenste zurückzuweisen", erklärte Wrabetz.

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