Marius Müller-Westernhagen gibt alle seine Echos zurück

Nun legt Kult-Sänger Marius Müller-Westernhagen nach - und das gleich siebenfach.

Via Facebook hat sich nun auch Marius Müller-Westernhagen entschieden vom Echo distanziert und die Musikindustrie kritisiert. Der 69-Jährige gab am Dienstag per Instagram bekannt, sämtliche Echos zurückzugeben, die er in seiner Karriere bekommen hat.

Er habe von Südafrika aus "die peinlichen Vorkommnisse" bei der Echo-Verleihung und die anschließend entstandene Debatte verfolgt, lässt Westernhagen wissen. "Money makes the world go round", schreibt Westernhagen weiter.

"Ich bin nicht der Meinung, dass die mit dem Echo ausgezeichneten Rapper Antisemiten sind". "Sich hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen, ist lächerlich - Provokation um der Provokation willen ist substanzlos und dumm".

Zuvor hatte bereits Klaus Voormann, der den Echo für sein Lebenswerk erhielt, und diverse Preisträger des Echo-Klassik ihre Auszeichnungen aus Protest gegen die Ehrung für die Rapper Kollegah und Farid Bang zurückgegeben. "Eine neue Stufe der Verrohung ist erreicht".

Scharf griff der zu den erfolgreichsten deutschen Musikern zählende Westernhagen die Musikbranche an: "Eine Industrie, die ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet, ist skrupellos und korrupt". Westernhagen meint, die Raper seien schlicht und einfach ignorant. Aufgrund seiner inhaltlichen Fehlkonstruktion war der ECHO in der kulturellen Welt nie relevant.

In seiner Abrechnung geht Westernhagen jedoch über die Kritik an der Musikindustrie hinaus und nimmt das große Ganze ins Visier: "Es geht im Kern um den Zerfall einer kultivierten Gesellschaft, der zunehmend der innere moralische Kompass abhanden kommt, und dem sehen wir schon viel zu lange zu, ohne genügend Widerstand zu bieten". Westernhagen war im vergangenen Jahr für sein Lebenswerk geehrt worden und hatte in den vorangegangenen Jahren insgesamt sechs weitere Echos gewonnen.

Weitere Künstler hatten in den vergangenen Stunden ebenfalls erklärt, ihre Auszeichnungen zurückgeben zu wollen - darunter Dirigent Enoch zu Guttenberg (71), Pianist Igor Levit (31) und das Notos Quartett. Es enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow".

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