Nach heftiger Kritik: Echo-Preis soll überarbeitet werden

Bis vor kurzem sei der Echo für sie "der renommierteste und größte Musikpreis Deutschlands" gewesen, schrieb das Notos Quartett aus Berlin auf Facebook.

Über die Entscheidung der Verantwortlichen, "antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut sowie die Verhöhnung von Opfern des Holocaust mit einem Preis zu würdigen", zeigten sich die Berliner Musiker "zutiefst erschüttert". "Das trifft nun auf den Lebenswerk Echo nicht mehr zu". - Texte auf dem mit einem Echo ausgezeichneten Album der beiden Rapper werden als antisemitisch kritisiert. Empörung gab es auch, weil die Rapper am 12. April geehrt wurden: dem Tag, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen ermordeten Juden erinnert wird. "Dies geschieht, um mein Unverständnis auszudrücken gegenüber der Verantwortungs- und Geschmacklosigkeit aller verantwortlichen Beteiligten, die es nicht geschafft haben rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen". Der Ethikrat sei auf Tauchstation gegangen und der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie, Florian Drücke, habe lediglich hastig erklärt, "man werde die Statuten, die den Echo regeln, neu verfassen und überarbeiten". Details wurden aber noch nicht genannt. Peter Maffay ist nach wie vor sauer und fordert nun knallharte Konsequenzen.

Für Maffay sei es nun unmöglich zur Tagesordnung überzugehen.

Weiter kritisiert Maffay: "Verantwortungslosigkeit, Geschmacklosigkeit und Gier müssen entlarvt werden". "Die Konsequenz aus den Vorfällen sollte sein: Die Verantwortlichen nehmen ihren Hut und an ihre Stelle treten glaubhafte Personen, die für die Zukunft die nötige Transparenz garantieren", schrieb er. Auf Facebook spricht er davon, dass der Echo dieses Jahr "eine Ohrfeige für das demokratische Verständnis in unserem Land" gewesen sei.

Ob der Sender VOX die Echo-Gala 2019 erneut übertragen wird, ist derzeit offen. Es gehe nur noch "um Geld und Marktanteile und um Selbstdarstellung". "Die Künstler selbst sind nur noch Statisten". Er kommt zu der "Erkenntnis, dass dieser Echo keine Berechtigung mehr hat: weder inhaltlich noch moralisch".

Die Aufgabe des Beirats sei es nicht gewesen, eine philosophische Antwort auf die Frage nach den Grenzen der Kunstfreiheit zu finden, so die Musikerin in einem offenen Brief. Deren Umgang mit der Kritik an den Rappern sei "haltungslos und ekelhaft". Auch andere Kulturschaffende sowie Kirchenvertreter äußerten ihren Unmut.

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