Ärztekammer geht von 2213 Behandlungsfehlern in 2017 aus

Die Schlichtungsstellen und Gutachter der Bundesärztekammer haben im vorigen Jahr 2213 Behandlungsfehler gezählt.

"Davon wurde in 1.783 Fällen ein Behandlungsfehler / Risikoaufklärungsmangel als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete (Vorjahr: 1845)", schreibt die Bundesärztekammer in einer Mitteilung. Bei 19,5 Millionen Klinikbehandlungen und einer Milliarde Arztkontakten bewege sich die Fehlerzahl "im Promillebereich".

Schätzungen zufolge endeten rund 0,1 Prozent der Behandlungen in einem Krankenhaus vermeidbar tödlich. Die Zahlen zeigten vielmehr, in welchen Fällen Patienten am ehesten einen Fehler vermuteten und nach welchen Behandlungen sie sich am häufigsten auch tatsächlich beschweren. Doch jeder Fehler ist einer zu viel. Geprüft wurden in beiden Jahren ähnlich viele Fälle, rund 905.

Es gebe keinen Grund für "Panikmache und Pfuschvorwürfe", teilte der Vorsitzende der Vertretung der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, Andreas Crusius, bei der Vorstellung der Jahresstatistik mit. So ging ein 22-jähriger, kranker Mann nach einem Madagaskar-Urlaub mit Malaria-Verdacht zum Hausarzt. Dazu brauchen sie ein geeignetes Umfeld, das diesen Lernprozess fördert. In drei viertel aller Entscheidungen ging es der BÄK zufolge um den Klinikbereich.

In einem anderen Fall kam ein 39-Jähriger mit einer Stichverletzung nach einem Streit ins Krankenhaus.

Laut der veröffentlichten Fehlerstatistik der Ärzteschaft waren die häufigsten Fehlervorwürfe bei Diagnosen von Knie- und Hüftgelenksarthrosen sowie Brüchen des Unterschenkels oder des Sprunggelenks. Folge: Der Mann musste 18 Folge-Operationen über sich ergehen lassen und zwei Monate in der Klinik bleiben, davon zwei Drittel auf der Intensivstation mit einem Luftröhrenschnitt zur Dauerbeatmung. Dafür beurteilen Experten, inwiefern eine Behandlung zum jeweiligen Zeitpunkt dem anerkannten medizinischen Standard entsprochen hat. Am besten notiert sich der Betroffene vor dem Gespräch konkrete Fragen wie "Haben Sie eine falsche Diagnose gestellt?"

Wie viele Patienten sich direkt an Gerichte, Anwälte oder Versicherungen wenden, ist jedoch unbekannt.

Auch die gesetzliche Krankenkasse hilft weiter, wenn sie die Behandlung bezahlt hat. Crusius betonte: "Behandlungsdruck kann Behandlungsfehler begünstigen".

Geht es schließlich um konkrete Forderungen, sollten sich Betroffene einen Anwalt suchen, rät die Stiftung Warentest. Einen Fachmann finden Patienten über die örtlichen Anwaltskammern.

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