Syrien stellt sich auf Angriff ein: Damaskus in Alarmbereitschaft

Doch für die Russen steht bereits fest, wer hinter dem Vorfall steckt. Russland legte bei der Dringlichkeitssitzung erwartungsgemäß sein Veto gegen einen von den USA vorgelegten Resolutionsentwurf zu dem jüngsten mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien ein. Bei dem Angriff sollen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 42 und 85 Menschen getötet worden sein.

In Damaskus machte sich Sorge über einen möglichen Militärschlag der USA breit. Es sei "wirklich beängstigend daran zu denken, was für Menschen das größte Militärarsenal kontrollieren, das der Planet jemals gesehen hat", sagte Kossatschow, der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im russischen Oberhaus.

Ermittler der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) wollen von Samstag an in Duma untersuchen, ob ein Giftgasangriff stattgefunden hat.

Ihr Auftrag lautet jedoch nicht, die Verantwortlichen zu ermitteln. Der US-Präsident macht Russland und Syrien für den Angriff in der Rebellenhochburg Duma verantwortlich. Ein dpa-Reporter meldete am Freitag, in den vergangenen Tagen habe der Verkehr auf den Straßen der Hauptstadt deutlich abgenommen.

Russland warnte nach den Drohungen vor einer Eskalation des Konflikts. Bei einem möglichen Angriff des Westens in Syrien werde Deutschland aber nicht mitmachen. Außenminister Sergej Lawrow betonte aber auch den russischen Willen zur Deeskalation und sagte, die militärischen Kommunikationskanäle zwischen Moskau und Washington seien intakt. Die republikanische Seite vertrat mehrheitlich die Ansicht, Präsident Donald Trump habe die Legitimation für einen limitierten Angriff. Für die USA erklärte das Weiße Haus am Donnerstag (Ortszeit), eine Entscheidung sei noch nicht gefällt. Russische Soldaten in Duma hätten keine Beweise für das - so wörtlich "Märchen vom Chemiewaffenangriff" gefunden, sagt eine Sprecherin des Außenministeriums.

Hinter verschlossenen Türen hat der UN-Sicherheitsrat um einen Ausweg aus der Syrienkrise gerungen. Im November lief es Mandat aus; Versuche, eine Nachfolger-Kommission zu schaffen, scheiterten im Rat. Selbst kleinste Fehleinschätzungen in Syrien könnten neue Migrationswellen auslösen.

Russlands Uno-Botschafter Wassili Nebensja wiederum bezeichnete einen Militärschlag gegen syrische Truppen als eine "illegale Kampfhandlung gegen einen souveränen Staat". Es wirke, als wolle Washington das Bürgerkriegsland "kategorisch" angreifen.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat eine Entscheidung zu einem möglichen Raketenangriff in Syrien weiter hinausgeschoben. In anderen Schätzungen sei sogar von 200 Fällen die Rede.

Als Option für eine US-Reaktion gelten Raketenangriffe auf ein Objekt oder mehrere ausgewählte Ziele in Syrien. Wie das russische Außenministerium erklärte, könnten US-Schläge gegen Syrien alle Beweise für eine Inszenierung des angeblichen Einsatzes von C-Waffen vernichten. Der Angriff könne Donnerstagnacht beginnen.

Damaskus. Die Menschen in Syrien fürchten sich vor Bomben und Schüssen.

Andere Einwohner zeigten sich gelassener. Deutschlands Aussenminister Heiko Maas äusserte sich ähnlich: "Dass solche Giftgasangriffe stattfinden und das wiederholt, ohne dass für diese abscheuliche Verbrechen jemand zur Rechenschaft gezogen wird, ist eigentlich ein nicht haltbarer Zustand", sagte er bei einem Treffen mit seiner schwedischen Amtskollegin Margot Wallström. Es gebe Gespräche mit den Verbündeten Israel, Saudi-Arabien, Frankreich und Großbritannien.

Der US-Präsident telefonierte in der Nacht zum Freitag mit der britischen Premierministerin Theresa May.

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