Viele Tote bei Luftangriff auf Koranschule der Taliban

Der Angriff der afghanischen Luftwaffe in der Provinz Kundus galt einem angeblichen Treffen der Taliban, traf aber nach Aussagen von Augenzeugen Kinder in einer Koranschule. Er habe nach den Luftschlägen viele tote Kinder und nur vier tote Taliban-Kämpfer gesehen, berichtete Naim.

Ein Mitglied des Provinzrats, Maulawi Mohammad Dschawad Abdullah, sagte, der Angriff habe die Koranschule Maulawi Gudschur Madrassa im Bezirk Dascht-e Artschi getroffen, die von Mitgliedern der Talibanbewegung geführt werde. Etwa 65 Menschen seien verletzt worden. Ein Arzt berichtete von mehreren Toten und mindestens 15 Verletzten, die in ein Krankenhaus der gleichnamigen Provinzhauptstadt Kundus gebracht worden seien. Die Vereinten Nationen (United Nations, UN) twitterten, dass sie eine Untersuchung eingeleitet hätten. "Es war herzerreißend", sagte Naim. "Es war wie ein böser Traum".

Das Verteidigungsministerium in Kabul bestätigte einen Angriff auf ein "Taliban-Trainingszentrum", dabei seien 30 Islamisten getötet worden, Zivilisten seien nicht unter den Opfern. Der Angriff habe sich gegen eine große Zusammenkunft von Taliban mitsamt Mitgliedern eines Führungsgremiums aus Pakistan gerichtet, sagte Ghulam Hazrat Karimi, Sprecher der 20. Pamir-Division in Kunduz. Die Taliban hätten dort ihre Frühjahrsoffensive geplant.

Ein hoher Polizeibeamter aus dem Bezirk sprach sogar von 84 getöteten und verletzten Talibankämpfern. Der Stammesälteste Naim wiederum bezeichnete die Teilnehmer aus anderen Provinzen als Koran-Schüler. Talibansprecher Sabiullah Mudschahid bot allerdings am Dienstag in einer seltenen Geste Journalisten freies Geleit an. Die Opfer seien religiöse Führer, Zivilisten und Studenten aus der Gegend.

Die noch junge, im Training begriffene afghanische Luftwaffe und Piloten der amerikanischen Luftwaffe haben 2016 und 2017 ihre Angriffe auf Talibanstellungen massiv ausgeweitet. Sie machten 2017 nach dem jüngsten Zivilopferbericht der UN mit mehr als 630 Toten und Verletzten sechs Prozent aller zivilen Opfer aus.

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