68-Jährige soll Air France-KLM aus der Krise bringen

Trotz eines Rekordgewinns in Höhe von 1,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ist die Zukunft der französischen Fluggesellschaft Air France ungewiss. Eine vorläufige Bilanz des bereits drei Monate währenden Arbeitskampfes weist 15 Streiktage aus, Kosten von 300 Millionen Euro für die Airline und die Rücktrittsankündigung von Jean-Marc Janaillac, Chef des Mutterkonzerns Air France-KLM - das Ganze vor dem Hintergrund steigender Kerosinpreise und eines sich verschärfenden Wettbewerbs. Die Gewerkschaften fordern 5,1 Prozent mehr Lohn für dieses Jahr. Um die Gewerkschaften unter Druck zu setzen, hatte Janaillac sich direkt an die Belegschaft gewandt. Janaillac hatte sieben Prozent gestreckt über vier Jahre angeboten. Doch die Beschäftigten votierten anders als von Branchenkennern erwartet: 55 Prozent lehnten das Angebot ab. Für ihn soll eine Führungskraft mit mehr Fingerspitzengefühl das Ruder übernehmen: Der Lufthansa-Rivale ernennt die Politikerin Couderc zur Übergangschefin.

Nachfolgekandidaten sind bis jetzt nicht in Sicht. Seit Jahresbeginn hat die Aktie von Air France-KLM 50 Prozent an Wert verloren. Analysten sehen in der Abstimmung einen schweren Rückschlag bei der Sanierung der französischen Sparte Air France.

Anders als die Anleger und der Minister beurteilen die Gewerkschaften die Aussichten des Luftfahrtunternehmens durchaus positiv. Grund dafür war, dass sich die Mitarbeiter mehrheitlich gegen einen Gehaltsvorschlag Janaillacs ausgesprochen hatten, der den harten Tarifkonflikt bei Air France lösen sollte. Die Kerosinpreise steigen. Billiganbieter wie Ryanair oder Easyjet verschärfen den Wettbewerb auf den Kurzstrecken. Der französische Staat hält gut 14 Prozent des Kapitals an Air France-KLM.

Das gute Konzernergebnis 2017 ist zudem vor allem der niederländischen Tochter KLM zu verdanken. Auf Langstrecken wird die Konkurrenz aus China und den Golfstaaten stärker.

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