Anwältin hält Wohlleben für unschuldig

Sie warfen dem Gericht klare Befangenheit, mangelndes Interesse an der Wahrheit und die aktive Verhinderung umfassender Aufklärung vor.

In einem verbalen Rundumschlag haben die Verteidiger des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben dem NSU-Prozess die Rechtsstaatlichkeit abgesprochen und einen Freispruch für ihren Mandanten gefordert. Sie sagte, der von ihr beantragte Zeuge werde aussagen, dass er eine typgleiche Waffe besessen und an den NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt übergeben habe.

Seine Verteidigerin Nicole Schneiders sagte, sie sei überzeugt davon, dass Wohlleben unschuldig und seit sechseinhalb Jahren ohne nachvollziehbare Gründe inhaftiert sei.

Wohlleben ist neben Beate Zschäpe einer von fünf Angeklagten im NSU-Prozess. Wohlleben hat laut Anklage genau gewusst, wie gefährlich Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt waren, und er habe es auch mindestens für möglich gehalten, dass sie mit der Waffe Menschen töten werden.

Die Bundesanwaltschaft hat dagegen zwölf Jahre Haft für Wohlleben wegen Beihilfe zum Mord gefordert. Das Verfahren sei ein "Politikum", es sei "nicht rechtsstaatlich und vor allem nicht fair". "Herr Wohlleben, der böse Nazi, soll das Bauernopfer werden, weil man Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nicht mehr einem Strafprozess zuführen kann". "Sie meinen, Sie seien nicht befangen?"

Wohlleben ist dafür angeklagt, die Mordwaffe des NSU vom Typ "Ceska" organisiert zu haben.

Eingebettet in ihr Plädoyer formulierte sie den Antrag, ein früheres Mitglied der rechtsextremen und kriminellen Szene in Jena zu vernehmen.

Schneiders Kollege Klemke hielt dem Gericht vor, das Urteil in wesentlichen Teilen längst geschrieben zu haben - bis aufs Strafmaß vielleicht. "Darunter werden Sie es wohl nicht machen", spottete Klemke Richtung Senat: "Wir sind ja schließlich in Bayern". Das Plädoyer der Anwälte soll an diesem Mittwoch weitergehen. Die Bundesanwaltschaft hat für ihn zwölf Jahre Gefängnis beantragt und sieht ihn als "steuernde Leitfigur" beim Aufbau des "Nationalsozialistischen Untergrunds". Zu den Verbrechen des NSU gehören neun fremdenfeindliche Morde an Zuwanderern und die Ermordung einer Polizistin in Heilbronn.

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