Chile: Nach Missbrauchsskandal treten Bischöfe zurück

Nach dem Missbrauchsskandal in Chile haben alle Bischöfe des südamerikanischen Landes ihren Rücktritt angeboten. Zum Abschluss übergab Franziskus jedem der Bischöfe einen Brief, dessen Wortlaut der Vatikan veröffentlichte: In dem Schreiben dankte der Papst für die "uneingeschränkte Bereitschaft", bei allen Veränderungen und Entscheidungen mitzuwirken, die notwendig seien, um Gerechtigkeit und Gemeinschaftssinn innerhalb der Kirche wiederherzustellen.

Der Missbrauchsskandal in der chilenischen katholischen Kirche spitzt sich zu. "Das - und das sage ich in aller Deutlichkeit - muss getan werden, aber es ist nicht genug". "Es muss noch mehr geschehen", schreibt Franziskus darin. Zuvor hatte der Papst Maßnahmen zur Aufarbeitung des Skandals angekündigt. Die dreitägigen Gespräche gingen am Donnerstagabend zu Ende. Konkret heißt es, dass Geistliche, die wegen "sittenlosem Verhalten" entfernt wurden, in anderen Diözesen wieder aufgenommen wurden. Obendrein habe man ihnen Aufgaben mit "einem täglichen und direkten Kontakt zu Minderjährigen" anvertraut.

Papst Franziskus erklärt, dass er sich schäme, weil in bestimmten Fällen die Aufklärungsarbeit gezielt behindert worden sei. In Chile sollen Sexualdelikte des früheren Pfarrers und Priesterausbilders Fernando Karadima jahrelang von der Kirche gedeckt worden sein. Der heute 87-jährige, mittlerweile suspendierte Priester hatte durch sein Charisma zeitweilig großen Einfluss auf zahlreiche junge Katholiken, darunter mehrere spätere Bischöfe. Später bat er für seine Wortwahl um Entschuldigung und leitete neue Ermittlungen zu dem Skandal ein.

In den vergangenen Tagen habe man sich mit "schmerzvollen Ereignissen" befasst, so der Papst. So äußerte er im April "Scham" und "Schmerz" angesichts des Leidens der Missbrauchsopfer. Zahlreiche Opfer Karadimas hatten darauf hingewiesen und dem Papst auch einen Brief geschrieben.

Bis 2012 war er in der vatikanischen Glaubenskongregation als eine Art Staatsanwalt für die kirchenrechtliche Ahndung von sexuellem Missbrauch durch Priester tätig. Der Papst hatte Barros 2015 trotz der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zum Bischof von Osorno ernannt.

Zuvor war bereits ein erstes Schreiben bekannt geworden, das Papst Franziskus den Bischöfen mit auf den Weg gegeben hatte. Diesen sollte jeder bis zur zweiten Zusammenkunft am Mittwochnachmittag studieren und dazu meditieren. Ein weiteres Treffen hatte an diesem Mittwoch stattgefunden. Der Papst beauftragte daraufhin den maltesische Erzbischof Charles Scicluna mit einer Untersuchung des Falls und hörte selbst Missbrauchsopfer an.

Der Vatikan hatte das Treffen mit den Bischöfen Chiles als "synodalen Prozess" angekündigt. Im Unterschied zu den Missbrauchsskandalen in den USA und in Irland gehe es in Chile nicht nur um sexuellen Missbrauch, sondern auch um den von Macht. Ziel sei es, "gemeinsam vor Gott die Verantwortung aller und jedes einzelnen bei diesen verheerenden Verletzungen zu prüfen".

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