Drogenkonsum: Deutsche Suchtexperten fordern höhere Preise für Alkohol

In Schottland wird ein Mindestpreis für Alkohol eingeführt - nun denken auch deutsche Suchtexperten und Krankenkassen darüber nach. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler unterstützt diese Forderung.

Musalek kritisiert auch, dass in Lokalen alkoholische Getränke oft billiger sind als nichtalkoholische.

Die Regierung in Schottland hat angesichts des Zusammenhangs zwischen Verbrauch und Schaden und der Tatsache, dass die Erschwinglichkeit von Alkohol einer der Hauptfaktoren für den angestiegenen Verbrauch ist, die Preisgestaltung von Alkoholika reguliert. Heute trinkt nur noch jeder zehnte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren regelmäßig Alkohol. Laut Regierungsangaben ist es möglich, für weniger als drei Euro die als schädlich angesehene Höchstmenge zu überschreiten.

Lesen Sie auch: Ist Schottland beim Alkohol ein Vorbild für Deutschland? Studien zufolge wirkten Preissteigerungen bei Alkohol - anders als bei der auf Kinder abzielenden Kampagne gegen Alkopops - nicht abschreckend, sagte Lauterbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung" laut einer Vorabmeldung. Dies sei allerdings nur ein Teil des Maßnahmenpakets gegen den allgemein hohen Alkoholkonsum, erläutert die schottische Regierung auf ihrer Webseite.

In der Diskussion um die Senkung des Alkoholkonsums glauben aber längst nicht alle an Mindestpreise.

Die Behörden berichten, dass laut verschiedener Untersuchungen sich ein Mindestpreis pro Einheit als effektivste Optionen herauskristallisiert hat.

Wie hoch soll der Mindestpreis sein?

Epidemiologieexperte Alfred Uhl von der Gesundheit Österreich GmbH verweist vor allem auf die Unterschiede in der westlichen Welt nach den christlichen Religionsbekenntnissen: In protestantisch-puritanisch geprägten Gesellschaften neige man zur Prohibition mit Dämonisierung des Alkoholkonsums, in katholischen werde moderater Gebrauch neutral bis positiv gesehen und erst exzessives Trinken negativ bewertet.

Suchtexperten und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung dringen auf höhere Preise für Alkohol in Deutschland. "Wer den Konsum reduzieren will, muss dafür sorgen, dass die in Deutschland unverhältnismäßig niedrigen Preise für alkoholische Getränke angehoben werden", sagte Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, der Funke-Mediengruppe. Laut Gaßmann ist es nachgewiesen, dass mehr Alkohol getrunken wird, wenn er wenig kostet.

Ein Mindestpreis für Alkohol, wie er kürzlich in Schottland eingeführt worden ist, wäre laut Michael Musalek, Ärztlicher Leiter am Anton-Proksch-Institut in Wien, auch für Österreich sinnvoll.

Auch der Suchtexperte des AOK-Bundesverbands, Kai Kolpatzik, sprach sich für höhere Verkaufspreise aus: "Deutschland zählt zu den Hochkonsumländern".

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