Lira fällt auf Rekordtief - Erdogan will die Geldpolitik an sich reißen

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will die Notenbank des Landes im Falle eines Wahlsiegs im kommenden Monat stärker unter seine Fittiche nehmen.

Die Zentralbank bleibe zwar auch nach der Umstellung auf das Präsidialsystem in der Türkei unabhängig, sagte er in einem Interview mit Bloomberg TV am Montagabend in London. Daher müsse er eingreifen, auch wenn das manchen nicht gefallen werde. Die türkische Währung geriet nach den Aussagen Erdogans unter Druck und fiel sowohl zum Euro als auch zum Dollar auf neue Rekordtiefs. An der Börse in Istanbul gab der wichtigste Leitindex um ein Prozent nach. Zudem stieg die Rendite türkischer Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit auf einen Rekordwert von 14,29 Prozent. Doch die Währungshüter könnten die vom Staatsoberhaupt ausgehenden Signale nicht ignorieren, sobald das neue System etabliert sei.

Die vorgezogenen Präsidenten- und Parlamentswahlen finden am 24. Juni statt.

Außerdem holte er zu einem Rundumschlag aus gegen alles, was mit internationalen Finanzmärkten zu tun hat. "Devisenspekulanten, die Zinslobby und Feinde der Türkei unter dem Deckmantel von Ratingagenturen sind unsere Sache nicht", sagte Erdogan vor Unternehmensvertretern. "Je niedriger der Zins ist, desto niedriger wird die Inflation ausfallen". Eine schwache Lira sorgt allerdings dafür, dass Firmen und Verbraucher für Waren aus dem Ausland auch deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen.

Erdogan, nach eigenem Bekunden ein "Feind der Zinsen", begründet seinen Anspruch auf Mitsprache in geldpolitischen Fragen mit einer Rechenschaftspflicht gegenüber den Bürgern. Diese seien schließlich von Zinsentscheidungen der Notenbank direkt betroffen.

Gleichzeitig ist die türkische Inflation mit über 10 Prozent hoch. In einer solchen Lage würden Währungshüter in der Regel die Zinsen erhöhen, um die Teuerung zu dämpfen - auch auf die Gefahr hin, das Wirtschaftswachstum dadurch zu dämpfen. Experten warnen vor einer Überhitzung der Wirtschaft, also einer durch günstige Kredite zu hohen Produktion, die die Nachfrage übersteigt und in eine Stagnation oder gar Rezession umschlägt.

Ausgabe: