Ölpreise steigen kräftig nach US-Austritt aus Iran-Abkommen

Neue Sanktionen könnten den Ölpreis weiter in die Höhe treiben.

Ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni wurde mit 71,62 Dollar notiert - 48 Cent mehr als am Vortag. Die Ölpreise sind damit wieder auf dem höchsten Niveau seit 2014, das sie bereits zu Wochenbeginn erreicht hatten.

Die USA hatten sich am Vorabend trotz des deutlichen Widerstands europäischer Partner aus dem Atomdeal mit dem Iran zurückgezogen. Die im Zuge des Vertrags ausgesetzten Sanktionen sollen in voller Härte wieder zum Tragen kommen. Trotz großer Einwendungen und Bitten anderer Länder - allen voran Präsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel - hat Trump am Dienstag angekündigt aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran auszusteigen. Daneben droht auch eine Konfrontation Israels und Saudi-Arabiens mit dem Iran. Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, werde man mit den grossen Produzenten und Verbrauchern innerhalb und ausserhalb der Opec sprechen, kündigte er an. "Es herrscht die Sorge, dass die iranische Ölexporte dadurch um eine Million Barrel pro Tag zurückgehen", sagte Volkswirt Tomomichi Akuta von Mitsubishi UFJ Research and Consulting. Doch bei diesem Hin und Her wird ein entscheidender Aspekt vergessen: Der Iran expandiert seine Einflusssphäre auf der Arabischen Halbinsel und im Maghreb rabiat. Ein Ausstieg aus dem Abkommen dürfte weitreichende Folgen für den iranischen Erdölexport haben und zu einer weiteren Verunsicherung im Nahen Osten führen, einer Region, in der ein Drittel des Weltbedarfs an Erdöl produziert wird.

Einerseits wächst die Furcht vor einem zu geringen Angebot an Öl auf dem Weltmarkt, andererseits steigt die Nachfrage nach dem Rohstoff, da die Weltwirtschaft solide zulegt. Zum einen wird es durch die seit Anfang 2017 geltende Fördergrenze des Ölkartells Opec klein gehalten. Hinzu kommen Förderausfälle in dem Krisenland Venezuela.

Der Iran ist der drittgrößte Exporteur der Gemeinschaft erdölexportierender Länder (Opec) nach Saudi-Arabien und dem Irak. Die tägliche Fördermenge von rund 3,8 Millionen Barrel (159 Liter) entspricht knapp vier Prozent der weltweiten Ölförderung.

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