Abgasaffäre - Audi-Chef Rupert Stadler festgenommen

"Der Beschuldigte wurde der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Warum ging das jetzt alles so plötzlich?

Als Grund für die Verhaftung des Audi-Chefs nannte die Behörde Verdunkelungsgefahr. Das galt es aus Behördensicht zu verhindern.

Stadler war am Montag verhaftet worden. Wo genau Stadler in U-Haft sitzt, ist unklar. Eigentlich wäre bei Haftsachen der Münchner Justiz das Gefängnis in München-Stadelheim die erste Adresse. Als Interimsnachfolger wurde Vertriebschef Schot bestellt.

Wer führt Audi nun operativ weiter?

Ob es sich dabei um eine langfristige Lösung handelt, ist noch unklar (siehe unten). Denn er setzt bisher beim Umbau des Wolfsburger Mehr-Markenkonzerns auf den Audi-Chef. Er und weitere Beschuldigte sollen demnach bewusst hunderttausende Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgasreinigung auf dem europäischen Markt verkauft haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und "mittelbarer Falschbeurkundung" gegen den Manager. Die Ermittler stützten sich auf die Auswertung von Korrespondenz, verlautete aus Ermittlerkreisen. Im März 2017 und im Februar 2018 hatte es in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und im Werk Neckarsulm Razzien gegeben. Er habe noch keine Angaben zur Sache gemacht. Er will sich aber wohl äußern, nachdem er mit seinem Verteidiger gesprochen hat, sagte der Staatsanwalt. Die beiden hätten Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung in Europa in den Verkehr gebracht. Stadler selbst bestreitet jede Beteiligung an Manipulationen.

Der Audi-Chef stand aufgrund der Abgas-Affäre unter Druck.

Volkswagen und Audi erklärten, für Stadler gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. Am Montagnachmittag sollte der Aufsichtsrat von Volkswagen zu einer regulären Sitzung zusammenkommen. Irene Schulz, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrats, sagte, die Belegschaft "braucht eine klare Perspektive und die Sicherheit, dass sich das Unternehmen in vollem Umfang den Zukunftsfragen der Branche stellen kann".

Ursprünglich war wohl geplant gewesen, dass Stadler am Nachmittag über die aktuellen Entwicklungen im Abgasskandal spricht. Die Hälfte der Motoren war in Ordnung, für 216.000 Autos wurden Rückrufe angeordnet. Beim A8 laufen die Untersuchungen noch. Stadler wolle sich vor einer Vernehmung erst mit seinem Anwalt beraten.

Stadler stand seit 2007 an der Audi-Spitze. Zudem ist Stadler konzernweit und markenübergreifend für das Thema Vertrieb zuständig. Bisher hatten die Familien Porsche und Piech Stadler trotz aller Kritik Stadler im Amt gehalten.

In den kommenden Wochen soll die Nachfolge dann endgültig geregelt werden, zitiert das Handelsblatt aus dem Umfeld des Aufsichtsrates. Von VW und Audi war dazu zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Welche VW-Manager sitzen noch in Haft? Sie wirft ihm in der 42-seitigen Anklageschrift Verschwörung zum Betrug vor. Die Zahl der Beschuldigten stieg damit auf 20. Allerdings handelt es sich um unterschiedliche Verfahren. Grundlage des letzten Vorwurfs ist der Verdacht, dass Volkswagen seine Aktionäre zu spät über den Dieselskandal informiert hat. Für den VW-Chef werden die Ermittlungen gegen Stadler zusehends zu einem Problem. Auch gegen den Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Eine Frist für die Untersuchungshaft gibt es nicht, aber die Staatsanwaltschaft muss in Haftsachen beschleunigt arbeiten.

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