Abgasskandal: Daimler muss hunderttausende Autos zurückrufen

Daimler muss wegen des Vorwurfs einer unzulässigen Abgastechnik europaweit 774 000 Fahrzeuge zurückrufen, darunter 238 000 in Deutschland.

Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, hatte heute einen Termin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Der Bund werde für die betroffenen Diesel-Fahrzeuge "unverzüglich" einen amtlichen Rückruf anordnen, so Scheuer nach einem Treffen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche. "Daimler erklärt darüber hinaus, dass mit maximalem Abarbeitungstempo und in kooperativer Transparenz mit den Behörden die vom Bund beanstandeten Applikationen in der Motorsteuerung beseitigt werden".

Im deutschen Diesel-Skandal nehmen die Vorwürfe gegen Daimler immer konkretere Gestalt an. "Ihre größte Sorge ist, dass rund um das Thema Abgas noch viel mehr auf den Tisch kommen könnte als bisher bekannt", sagte der Betriebsratsvorsitzende des Motorenwerks in Untertürkheim, Wolfgang Nieke, den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung".

Österreich ebenfalls betroffen Wie viele Fahrzeuge in Österreich betroffen sind, ist noch nicht klar.

Scheuer hatte Zetsche bereits Ende Mai zu einer Krisensitzung einbeordert, nachdem das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen Rückruf von rund 4.900 Exemplaren des Mercedes-Kleintransporters Vito wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung angeordnet hatte.

Die neuen Vorwürfe will der Konzern nicht stehen lassen und kündigte am Donnerstag Widerspruch an.

Abschalteinrichtungen sind nicht in jedem Fall unzulässig, sie dienen dazu, die Abgasreinigung abzuschalten, um den Motor zu schützen, beispielsweise bei hohen Temperaturen. Bei Betriebsversammlungen um den 20. Juni herum würden die Beschäftigten Antworten hören wollen. Die Staatsanwaltschaft München II durchsuchte am Montag die Privatwohnungen von Stadler und einem weiteren Vorstandsmitglied, gegen das ebenfalls ein Verfahren läuft. Sie legt ihnen "Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last". Sie hätten in Kauf genommen, dass in Europa Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgasreinigung auf den Markt gebracht worden seien.

Stadler wird durch einen Audi-Mitarbeiter, der bei der Staatsanwaltschaft als Zeuge ausgesagt hat, und eine beim Unternehmen sichergestellte Mail schwer belastet.

Beim Mutterkonzern Volkswagen hieß es, es gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. "Kein Kommentar", sagte ein Sprecher.

Stadler soll nach der Aufdeckung der Manipulationen in den USA von falschen Abgaswerten auch in Europa gewusst haben, aber anders als in den USA keinen Vertriebsstopp angeordnet haben. Im März 2017 und im Februar 2018 hatte es in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und im Werk Neckarsulm Razzien gegeben. "Es kann nicht sein, dass ein Autokonzern nach dem anderen mit jahrelanger Verzögerung und erst nach Detektivarbeit entlarvt wird", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. Daimler müsse Garantien abgeben, dass die Umrüstungen sinnvoll seien und keinen Schaden nach sich zögen.

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