Aktie auf Talfahrt: Post erwartet fast eine Milliarde Euro weniger Gewinn

Bislang hatte Vorstandschef Frank Appel noch ein operatives Ergebnis von 4,15 Milliarden Euro angepeilt. Er kündigte außerdem ein größeres Sparprogramm an.

Im letzten Geschäftsjahr (31. Dezember 2017) verbuchte das Bonner Logistik- und Postunternehmen 60,444 Milliarden Euro Umsatz und 3,74 Milliarden Euro Gewinn (EBIT) ("data driven news"). "Wir nehmen jetzt bewusst kurzfristige negative Ergebniseffekte in Kauf, um langfristig nachhaltiges Wachstum zu sichern", sagt Frank Appel, CEO der Deutsche Post DHL Group.

Bonn. Der Bonner Logistikkonzern kassiert seine Jahresprognose und schickt die Post-Aktie auf Talfahrt: Dem deutschen Brief- und Paketegeschäft geht es viel schlechter als bisher verkündet. In der nun vom anstehenden Umbau betroffenen Sparte Pep, in der Konzern das heimische Briefgeschäft, das Paketgeschäft in Deutschland und anderen europäischen Ländern sowie die Digitalangebote gebündelt hat, sorgten jedoch unter anderem hohe Investitionen und der Tarifabschluss mit den Beschäftigten für einen Gewinnrückgang. "Das stark wachsende Paketvolumen hat auch zu einer hohen Anspannung in der Organisation geführt". Der Konzern geht davon aus, dass dieses Programm bis 2020 jährlichen Kostensenkungen von mindestens 200 Millionen Euro generiert. Im hart umkämpften Paketmarkt mangelt es in der ganzen Branche an Zustellern und anderem Personal. "Aus dem Grunde sehen wir uns insgesamt deutlich steigenden Kosten gegenüber, die uns ohne ausgleichende Preise dieses Jahr vor erhebliche Herausforderungen stellen". Im Briefmarkt dagegen leidet die Post unter sinkenden Versandmengen.

Der Konzern dreht deshalb auch an der Preisschraube für die Verbraucher. Die Post kommentierte diese Gerüchte nicht. Über eine Portoerhöhung beim Standardbrief von 70 auf 80 Cent zum Januar nächsten Jahres wird spekuliert.

Für Bücher- und Warensendungen müssen Kunden ab 1. Juli tiefer in die Tasche greifen.

Zur Verbesserung der Produktivität will der Konzern zunächst einmal Geld in die Hand nehmen - 100 bis 150 Millionen Euro jährlich. Sie sind frühestens im kommenden Jahr möglich. Appel räumte ein, dass die Post in den vergangenen Jahren zu wenig in die Weiterentwicklung des operativen Geschäfts investiert habe. Auch in einem wettbewerbsintensiven Markt machen allgemeine Kostensteigerungen preisliche Anpassungen erforderlich.

Paket- und Briefsparte sollen produktiver werden / Vorzeitiger Ruhestand für verbeamtete Postler.

An der Planung für 2020 mit einem Ebit von mindestens fünf Milliarden Euro hält Appel unterdessen fest. Seinen Mittelfristausblick bis 2020 bestätigte das Unternehmen. An der Börse rutschte die "Aktie Gelb" am Freitag zeitweise mit mehr als sieben Prozent Kursabschlag auf den tiefsten Stand seit Ende 2016.

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