Eklat nach Treffen in Kanada - Wie Donald Trump das G7-Bündnis zerstört

Doch dann geschah das Unglaubliche.

Trump hatte seine Entscheidung, die US-Zustimmung zum G7-Abschlusspapier zurückzuziehen, mit Verärgerung über Trudeau begründet.

Vor seiner Abreise hatte Trump noch von einem "enorm erfolgreichen" Treffen gesprochen. Was war da los?

In Kanada demonstrierte er denn auch seine Verachtung, indem er verspätet anreiste, am nächsten Morgen 17 Minuten zu spät zum offiziellen Start auftauchte, dem Arbeitsfrühstück mit den anderen Regierungschefs und dann auch noch vorzeitig abreiste, während die anderen über Klimaschutz konferierten. Weil er dann vor dem Abflug in Washington noch ausgiebig Journalistenfragen beantwortete, landete er eine Stunde zu spät in La Malbaie.

Am Sonntagmorgen war die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zurück in Berlin, am Abend ging sie bereits ins Fernsehstudio, um in der Talkshow "Anne Will" ihre Version des Gipfels der G-7 in Kanada zu erzählen. "Ich weiß, dass es unfreundlich aussah", sagte Donald Trump am Dienstag nach seinem Gipfel mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un auf einer Pressekonferenz in Singapur. Auch dem Protektionismus wurde der Kampf angesagt. Roland Paris, ein früherer außenpolitischer Berater Trudeaus, griff Trumps Fehdehandschuh auf und twitterte: "Großer harter Kerl, sobald er zurück in seinem Flugzeug ist". Zugleich warnte er aber den kanadischen Regierungschef Justin Trudeau, dass dessen kritische Bemerkungen direkt nach dem G7-Gipfel Kanada noch "eine Menge Geld" kosten würden. Dies löst einen Wutausbruch an Bord der Präsidentenmaschine aus.

Dieses Foto galt als symbolisch für die schwierigen Verhandlungen, für den Streit um die Strafzölle, die US-Präsident Donald Trump auf ausländische Waren erhebt oder erheben will. Schuld sei Trudeau, ein "unehrlicher und schwacher" Gastgeber. Zusammen mit dem Rückzug vom Kommuniqué droht Trump abermals mit Strafzöllen auf Autos - eine Drohung, welche die Deutschen besonders beunruhigt.

Nicht nur das. Von Anfang an hatte der Amerikaner die sechs Kollegen spüren lassen, was er von ihnen und von multilateralen Vereinbarungen hält: herzlich wenig.

Trumps Wut entspringt also dem Frust über die fortbestehende Widerspenstigkeit der G7-Partner. "Für mich heißt die Lehre, bei allem, was jetzt auch in dem speziellem Fall tragisch, traurig, schrecklich ist, alles zu tun, dass wir diese Ankerzentren jetzt auf den Weg kriegen, dass jetzt wirklich auch schneller gehandelt werden kann", sagte sie am Sonntag in der ARD-Sendung "Anne Will". "Es gibt immer einmal Irritationen", betonte der US-Außenminister. Da steht die deutsche Kanzlerin Angela Merkel in hellrotem Blazer mit ausgebreiteten Armen vor dem lässig auf einer Holzbank sitzenden US-Präsidenten Barack Obama. Seitdem tat er dies auch für das Atomabkommen mit Iran und verhängte Strafzölle auf Stahl und Aluminium unter anderem aus der Europäischen Union und Kanada.

Dass Trump am zweiten Tag verspätet in das Arbeitsfrühstück zum Thema Geschlechtergerechtigkeit hineinplatzte, dürfte die Teilnehmer kaum noch überrascht haben.

Jenseits der PR-Schlachten um die Deutungshoheit für das Gipfel-Debakel wird nun die Frage immer drängender, wie Europa mit einem völlig unberechenbaren US-Präsidenten umgehen soll. Er wird damit auch die weitere Diskussion über die Zukunft der G7 steuern. Einige Kommentatoren werteten die Aufnahmen als Beleg für die Spannungen zwischen den USA und den übrigen G7-Staaten. "Kanadier sind höflich und vernünftig, aber wir lassen uns auch nicht herumschubsen", sagte Trudeau am Samstag am Gipfelort.

Soviel Widerstand ist für Trump schwer erträglich.

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