Europäische Zentralbank - EZB will Politik des lockeren Geldes aufgeben

Die EZB stellt ein Ende der Anleihekäufe für Ende Jahr in Aussicht.

Kindermann: "Spiegelverkehrt genau anders herum: Besonders die, die Ratenkredite für Autos oder neue Möbel oder anderes in Anspruch nehmen, können sich freuen: die Konditionen werden erst einmal niedrig bleiben". Konkret entschieden die Euro-Hüter, dass die Anleihekäufe, die zuvor nur bis Ende September mit einem monatlichen Volumen von rund 30 Mrd.

Darüber hinaus sollen die Schlüsselzinssätze mindestens bis zum Sommer 2019 unverändert bleiben. Bei diesem Niveau sieht die Notenbank Preisstabilität gewahrt.

Am jüngsten Meeting in Riga legte EZB-Chef Mario Draghi seine Pläne für ein Ausstiegsprogramm aus den Anleihekäufen vor. Deshalb seien sie besonders wichtig.

Beobachter erklären die Politik der Notenbank mit der Dominanz der Vertreter hoch verschuldeter, überwiegend südlicher Euro-Länder im EZB-Rat, die wenig Interesse an steigenden Zinsen haben. "Es ist sehr zu begrüßen, dass das Kaufprogramm der EZB beendet wird", lobte Ifo-Präsident Clemens Fuest die Ankündigung. Sie kündigte am Donnerstag in Riga an, die umstrittenen Anleihenkäufe zum Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Die EZB erwartet sowohl in diesem Jahr als auch 2019 und 2020 eine Jahresteuerung von 1,7 Prozent.

Im Unterschied zur EZB hat die Fed in den USA ihre Geldpolitik bereits deutlich stärker gestrafft. Mit einer Zinserhöhung ist also frühestens im Herbst 2019 zu rechnen. Der Export und auch die Binnennachfrage hätten sich abgeschwächt. Grund seien der wachsende Protektionismus und die Spannungen in der weltweiten Handelspolitik, sagte Draghi. Zweitens beabsichtigt der EZB-Rat, Gelder aus auslaufenden Anleihen auf unabsehbare Zeit zu reinvestieren - also damit neue Anleihen zu erwerben. Dies sei auch nötig, um weiteren Preisdruck aufzubauen.

Die Erwartungen sind hoch, nachdem EZB-Chefvolkswirt Peter Praet eine Debatte über die Beendigung der Anleihenkäufe auf die Agenda des Treffens gesetzt hat. Genauere Angaben machte er nicht.

Seit Beginn des Programms im März 2015 hat die EZB Anleihen im Wert von rund 2,4 Billionen Euro aufgekauft.

Den Leitzins im Euroraum beließ das oberste Entscheidungsgremium der EZB wie erwartet auf dem Rekordtief von null Prozent.

Die Wachstumserwartung für dieses Jahr wurde dagegen um 0,3 Punkte auf 2,1 Prozent reduziert. Damit bleiben Kredite weiter günstig, im Gegenzug werden Sparzinsen im Tief verharren.

Diese Neubewertung ist zweifelsohne ein Zugeständnis an die Kritiker, die wie Bundesbankpräsident Jens Weidmann Draghi eine zu lockere Geldpolitik vorwerfen.

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