Farid Bang und Kollegah: Textzeilen sind nicht strafbar

Düsseldorf. Die umstrittenen Textzeilen der selbsternannten Gangster-Rapper Kollegah und Farid Bang sind nicht strafbar. Das hat eine Prüfung durch die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ergeben. In ihrem Song "0815", den sie auch bei der Echo-Verleihung performten, gibt es die Zeile: "mein Körper ist definierter als von Auschwitzinsassen". Die Ermittlungen seien deswegen eingestellt worden, sagte Behördensprecher Ralf Herrenbrück. Die Behörde erklärte demnach, zwar seien die Liedtexte voller vulgärer, menschen- und frauenverachtender Gewalt- und Sexfantasien. Weil sie dem Genre Gangstarap gerecht würden, gelte hier die im Grundgesetz verankerte Kunstfreiheit. Gegen die Liedtexte waren mehrere Strafanzeigen eingegangen. Der Vergleich von KZ-Insassen mit dem eigenen Körper möge geschmacklos sein, aber: Er stelle auch keine Leugnung des Holocausts dar.

Den Rappern war Antisemitismus und die Verharmlosung des Holocaust vorgeworfen worden. Wesensmerkmal des "Gangsta-Rap" sei nun einmal die Glorifizierung von Kriminalität und Gewalt. Etliche Musiker hatten zuvor ihre Echo-Preise aus Protest zurückgegeben. Wie wir bereits letzten Monat berichteten, hatte es die beiden Künstler dazu eingeladen.

Die Ermittler hatten die Texte auch auf die Straftatbestände Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener überprüft.

Die beiden Rüpelrapper dürften über diese Entwicklung zweifelsohne erleichtert sein - zumal sie in den vergangenen Wochen durchaus Einsicht bewiesen hatten: Auf Anraten des Sängers Marius Müller-Westernhagen (69) besuchten die beiden die KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, was einen bleibenden Eindruck bei ihnen hinterlassen habe. Das Musiklabel BMG hatte sich in einer Stellungnahme zunächst hinter die Musiker gestellt, dann aber die Zusammenarbeit auf Eis gelegt. Das gehöre allerdings zum Genre wie der Cowboy zum Western.

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