G7-Gipfel 2018: Harte Worte! Merkel droht Trump nach geplatztem G7-Gipfel

Mittlerweile hat der US-Präsident gewechselt.

Trump beklagte erneut ein seiner Ansicht nach zutiefst ungerechtes System des Welthandels. Diese Rücknahme per Twitter sei "ernüchternd und ein Stück deprimierend", schilderte Merkel ihre Stimmung gegenüber Anne Will, in deren Sendung sie am Abend der einzige Gast war. Zudem griff er den kanadischen Premierminister Justin Trudeau über Twitter persönlich an. Rechts auf dem Foto der US-Präsident, mit verschränkten Armen sitzt er auf einem Sessel.

Merkel reagierte weitgehend gelassen auf Trump. "Aber die Kündigung dieses Communiqués ist jetzt natürlich schon ein einschneidender Schritt", stellte die Kanzlerin klar. Trumps Entscheidung bedeute auch nicht das Ende der transatlantischen Partnerschaft, sagte Merkel, "aber wir können uns da nicht einfach drauf verlassen".

Die USA werden von Europa beim Handel geschröpft - so sieht es Präsident Trump. "Wir lassen uns nicht ein ums andere Mal über den Tisch ziehen". Zusammen mit dem Rückzug vom Kommuniqué droht Trump abermals mit Strafzöllen auf Autos - eine Drohung, welche die Deutschen besonders beunruhigt. Sie sei überrascht, wie schwer es nun sei, in manchen Bundesländern in die Tat umzusetzen, was im Koalitionsvertrag vereinbart worden sei, sagte Merkel.

Der Handelsstreit lieferte Trump dann auch den Anlass, sein kurzzeitiges Lob für den "enorm erfolgreichen" Gipfel wieder zurückzuziehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Nein des US-Präsidenten zur gemeinsamen Erklärung der G7-Staaten kritisiert. Sie würde wieder zu solchen Treffen fahren, weil man reden müsse.

Auch in Paris war der Unmut über Trumps impulsiven Politikstil offensichtlich.

Mit Blick auf das von Seehofer geplante Maßnahmenpaket zur Asylpolitik betonte Merkel, dass das europäische Recht immer Vorrang vor deutschem Recht habe. "Die Amerikaner stehen zu euch, auch wenn es unser Präsident nicht macht".

Veröffentlicht hat das Foto vom Zoff-Gipfel der G7 niemand Geringeres als Merkel-Sprecher Steffen Seibert.

Kritik kam vorab von Bundesaußenminister Heiko Maas, der auf Twitter erklärte, mit einem Tweet könne "unheimlich viel Vertrauen sehr schnell zerstört werden". "Umso wichtiger ist es, dass Europa zusammensteht und seine Interessen noch offensiver vertritt". Ein einiges Europa sei die Antwort auf Trumps "America First". Das zeigt bereits, wie stark die internationale Kompromisssuche von innenpolitischen Motiven überlagert wird.

Eine Warnung sprach Trump ebenfalls aus. Sein Urteil ist vernichtend. Wer auch immer den Absprachen der G7 den Rücken kehre, zeige "Widersprüchlichkeit und Zusammenhanglosigkeit". "Das ist ein Verrat", sagte Kudlow. "Er hat uns das Messer in den Rücken gestossen", sagte Kudlow am Sonntag dem Fernsehsender CNN.

Das sei eine der schlimmsten politischen Fehlkalkulationen der modernen kanadischen Geschichte gewesen, so Navarro weiter. Er sagte der dpa: "Sie muss dem Parlament erläutern, wie es nun nach dem beispiellosen Eklat bei diesem G7-Gipfel weitergeht". Dieser mit Spannung erwartete Gipfel findet aber erst am Dienstag statt. Das Kommuniqué war in mühseligen Verhandlungen erst kurz vor Abschluss des Gipfels fertiggestellt worden.

Unterdessen meint die US-Delegation den Schuldigen für das Scheitern des Gipfels ausgemacht zu haben: Gastgeber Kanada.

Trudeau hatte an der Pressekonferenz gesagt, er habe Trump erklärt, dass die Kanadier die US-Strafzölle "nicht auf die leichte Schulter" nehmen würden. "Wir werden gleichwertige Zölle erheben zu denjenigen, die die USA zu Unrecht gegen uns erheben". Seit Trump vor zwei Wochen die Zölle verkündet hatte, hat Trudeau das mehrmals öffentlich und in direkten Gesprächen gesagt. Aber der kanadische Premierminister ist auch Realist. Als er am Sonntag von Reportern dazu befragt wurde, antwortete er auf französisch und sagte bloss, dass er dazu keinen Kommentar habe und an eine Sitzung müsse. Trump war aus dem Pariser UN-Klimaschutzabkommen ausgestiegen und hatte sich damit weltweit isoliert.

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