Hochrechnung: Schweizer gegen Vollgeld, für Onlinecasinos

Münzen und Banknoten als Zahlungsmittel machten derzeit nur zehn Prozent der umlaufenden Geldmenge aus, rund 90 Prozent seien elektronisches Geld, das auf Bankkonten lagere und damit kein "echtes Geld", hatten die Initiatoren des Referendums erklärt.

Die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben heute die Volksinitiative ‚Für krisensicheres Geld: Geldschöpfung allein durch die Nationalbank!' (Vollgeld-Initiative) deutlich verworfen. Die Schweizer Regierung, die Notenbank sowie Industrie- und Bankenvertreter hatten den Vorschlag bereits vor der Volksabstimmung abgelehnt. So sollte das Geld unabhängig von möglichen Bankenpleiten werden. Im Ausland hatte der Vorstoß für Aufsehen gesorgt. Hätte die Initiative bei der Volksabstimmung eine Mehrheit erhalten und wäre auch die Umstellung in den vorgesehenen zwei Jahren ohne größere Probleme gelungen, hätte das nach Einschätzung der Kieler ExpertInnen zu ähnlichen Initiativen im Euroraum führen können. Nur noch zertifizierte Casinos und Unternehmen mit Sitz in der Schweiz dürften dann Glücksspiele anbieten, sowohl in der Realität als auch im Internet.

Banken hätten dann kein eigenes Geld mehr schaffen dürfen. Justizministerin Simonetta Sommaruga bezeichnete die Regelung als unverzichtbar, um sicherzustellen, dass sich alle Glücksspielanbieter an strikte Regeln halten, etwa zum Ausschluss Spielsüchtiger. Sie sprachen von einer Internet-Zensur und einer Bevorzugung Schweizer Casinos. "Das Abstimmungsergebnis zeigt, dass das Schweizer Stimmvolk das heutige stabile und leistungsfähige Wirtschafts- und Geldsystem schätzt und nicht in einem leichtfertigen Experiment aufs Spiel setzen will". Ein Bündnis aus Jugendorganisationen mehrerer Parteien hatte die erforderlichen 50.000 Unterschriften gesammelt, um das Referendum zu erzwingen. Ihre Sucht koste die Allgemeinheit jährlich mehr als eine halbe Million Franken (430.000 Euro). Sie sollen ihr Geld nun auf Online-Portalen bestehender Schweizer Casinos einsetzen. Knapp 54 Prozent der Befragten sprachen sich gegen eine finanzielle Beteiligung des Kantons in Millionenhöhe aus. Noch im Rennen sind unter anderem Graz, die schwedische Hauptstadt Stockholm sowie das kanadische Calgary.

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