Konflikte: Regierungen Griechenlands und Mazedoniens legen Namensstreit bei

Der Kompromiss zur Beilegung des Namensstreits zwischen Mazedonien und Griechenland hat in beiden Ländern Kritik hervorgerufen. Danach müsse sie dem Parlament in Skopje zur Billigung "vorgelegt" werden.

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert haben Athen und Skopje ihren Streit um den Namen Mazedonien beigelegt.

► "Unsere Nachbarn werden den Namen Republik Nord-Mazedonien (slawisch: Severna Makedonija) haben", sagte Tsipras am Dienstag in einer Ansprache. Vorangegangen waren mehrmonatige Verhandlungen zwischen beiden Staaten Südosteuropas unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen (UNO).

In Mazedonien sind tausende Menschen gegen eine Umbenennung der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik auf die Strasse gegangen. Im Norden Griechenlands liegt eine gleichnamige Region.

Als Gegenleistung für die Namensänderung will sich Athen nicht mehr gegen den Beitritt Mazedoniens in die Nato sperren.

Tsipras zufolge war es Griechenland wichtig, dass der nördliche Nachbarstaat seinen Namen Mazedonien "mit einer zusätzlichen geografischen Bezeichnung" versieht. Alle Bedingungen der griechischen Seite seien erfüllt, sagte Tsipras während eines Treffens mit dem griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopulos, das am Dienstag im Fernsehen übertragen wurde.

Die frühere jugoslawische Teilrepublik soll künftig Republik Nord-Mazedonien heißen.

Bisher war die Republik offiziell als "Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien" (Fyrom) bezeichnet worden - dieser sperrige Name wäre somit ad acta gelegt. Die mazedonische Regierung hofft nun, dort einen konkreten Termin zur Einleitung der Beitrittsverhandlungen zu erhalten. Auch geht Zaev davon aus, beim Nato-Gipfel am 12 Juli die Einladung zu bekommen, das 30. Mitglied des Bündnisses zu werden.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini und der deutsche Aussenminister Heiko Maas priesen die Vereinbarung als "historisch". Die neoliberale Kathimerini ist weniger euphorisch und titelt: "Deal mit Lücken und Fragen".

Verteidigungsminister Panos Kammenos, dessen rechtspopulistische Partei "Unabhängige Griechen" Koalitionspartner von Tsipras' Regierungspartei Syriza ist, erklärte, er würde bei einem Votum im Parlament gegen eine solche Vereinbarung stimmen. Dafür aber stieß Skopje auf massive Probleme mit Athen.

In einer schriftlichen Erklärung warf der Oppositionsführer Ministerpräsident Tsipras "geheime Diplomatie" vor.

Außerdem werde mit dem Abkommen sichergestellt, dass die nördlichen Nachbarn Griechenlands "keine Beziehung zur altgriechischen makedonischen Kultur haben und beanspruchen können", so Tsipras. Jetzt müssen die EU-Mitgliedsstaaten ihrer Verantwortung gerecht werden und die Beitrittsverhandlungen mit Mazedonien und Albanien aufnehmen. In der albanischen Bevölkerungsgruppe Mazedoniens, die etwa einer Viertel der zwei Millionen Einwohner des Kleinstaates stellt, wurden Rufe nach einem Anschluss an den Nachbarstaat Albanien laut, wenn Mazedoniens Weg gen Westen dauerhaft versperrt bleiben sollte.

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