Paris bietet Spanien Hilfe bei Aufnahme von "Aquarius"-Migranten an"

Rund 700 Seemeilen (1300 Kilometer) sind es bis Valencia, wo Aquarius und zwei italienische Begleitschiffe Ende der Woche erwartet werden.

Grandi räumte ein, dass Migrationsströme immer komplexer würden, weil sowohl schutzbedürftige Flüchtlinge als auch Migranten auf der Suche nach einem besseren Leben unterwegs seien. Unterdessen starben vor der libyschen Küste mindestens 12 Menschen bei einem neuen Flüchtlingsunglück. Die Regierung in Rom werde ihre Haltung nicht ändern. So befand sich ein Schiff der italienischen Küstenwache mit 937 Flüchtlingen an Bord auf dem Weg nach Catania. Auf der "Aquarius" blieben noch 106 Gerettete. Sorgen bereitet den Rettern vor allem das Wetter, das sich verschlechtern soll.

Weil sich Italien weigerte, das Boot mit den geretteten Menschen an Land zu lassen und stattdessen Malta aufforderte, die Flüchtlinge aufzunehmen, die sich allerdings ebenfalls verweigern, kreuzte die "Aquarius" seit Sonntagabend zwischen der italienischen Insel Sizilien und Malta ziellos umher.

Die neue italienische Härte setzt alle europäischen Partner unter Druck.

Frankreich hat Spanien Hilfe bei der Aufnahme der Migranten vom Rettungsschiff "Aquarius" angeboten. Der italienische Innenminister und Vize-Premier Matteo Salvini forderte von der französischen Regierung eine Entschuldigung für eine abwertende Bemerkung über Italiens harten Kurs.

Spanien Außenminister Josep Borrell klagte, dass die von Migrantenschiffen angesteuerten Mittelmeerländer Griechenland, Italien und Spanien vom Rest Europas alleine gelassen würden. Er appellierte an Italien, das internationale Seerecht zu achten.

Der Sprecher von Macron, Benjamin Griveaux, sagte, der französische Präsident erinnerte daran, dass "in Notfällen diejenigen mit der nächsten Küstenlinie eine Verantwortung haben, darauf zu reagieren".

Am Sonntag hatte Salvini gedroht, italienische Häfen für Rettungsschiffe zu sperren.

Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli verteidigte das Vorgehen seines Landes. "Italien kann heuchlerische Lehren aus Ländern nicht akzeptieren, die immer den Rücken zuwendeten, wenn es um Einwanderung geht", so Conte Büro sagte.

"Italien hat zu seiner Willenskraft zurückgefunden", sagte der rechtsnationale ungarische Ministerpräsident Viktor Orban in Budapest. Die rechtsextreme Lega regiert nun zusammen mit der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung.

Die EU-Kommission rief zur einer schnellen Beilegung des Streits auf. Salvini bestätigte diese Befürchtung und schrieb in Richtung der Organisation auf Twitter: "Italien hat aufgehört, den Kopf herunterzubeugen und zu gehorchen, dieses Mal gibt es jemanden, der Nein sagt".

Ungarn und die Slowakei stellten sich hinter die Entscheidung der neuen Machthaber in Rom. "Wir wissen nicht, ob Italien uns weiter blockieren wird", sagte Mathilde Auvillain von der französisch-deutschen NGO Méditerranée, die die "Aquarius" gemietet hatte. Italien müsse "vollkommen allein" mit der Migrationsproblematik fertig werden, beklagte er. Und dieser sichere Hafen sei eben Valetta, wie Salvini seinem maltesischen Amtskollegen schriftlich mitteilte.

Jetzt erhält Frankreich offenbar die politische Retourkutsche für diese Aussagen. 41 waren gerettet worden, 12 starben bei der Havarie, wie Sea-Watch twitterte.

Wären mehr Schiffe wie die "Aquarius" noch vor Ort, wären die Menschen vielleicht nicht gestorben, so die Organisation.

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