Razzia wegen Dieselaffäre: Es wird eng für Audi-Chef Stadler

Rupert Stadler und ein weiteres Mitglied des Vorstands werden seit dem 30. Mai als Beschuldigte geführt, teilte die Staatsanwaltschaft München II mit. Zur Sicherung von Beweismaterial seien am Montag die Privatwohnungen der beiden genannten Beschuldigten durchsucht worden.

Ihnen werde demnach Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last gelegt. Dabei gehe es um das "Inverkehrbringen von mit manipulativer Abgassteuerungssoftware ausgestattenen Diesel-Kraftfahrzeugen auf dem europäischen Markt".

Das zeigt sich auch daran, dass Hans Dieter Pötsch, als Finanzvorstand der Ära Winterkorn ein Mann des alten Systems, bis heute Aufsichtsrats-Chef von Volkswagen und Kontrolleur bei Audi ist. Ein Audi-Sprecher erklärte: "Wir kooperieren vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft".

Seit mehr als einem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft im Diesel-Skandal gegen Audi. Wenig später wurden die Privatwohnungen und in einem Fall auch den Arbeitsplatz dreier weiterer Beschuldigter durchsucht.

In der Abgas-Affäre bei Audi wird jetzt auch gegen Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler ermittelt. Betroffen ist vor allem der Audi A6 - es droht ein Rückruf. Damals ging es um 80 000 in den Vereinigten Staaten verkaufte Autos. Bereits im Frühjahr hatten Staatsanwälte die Audi-Zentrale in Ingolstadt und Büros im Werk Neckarsulm durchsucht. Unterfüttert wurden die Vorwürfe gegen den Konzern mit Informationen eines Ex-Audi-Ingenieurs, der in Untersuchungshaft saß und der den Vorstand in die Haftung nehmen will. Bereits am 15. März 2017 hatten die Strafverfolger während der Jahrespressekonferenz von Audi medienwirksam die bayrische Konzernzentrale gefilzt.

Die Zahl der Beschuldigten im Münchner Ermittlungsverfahren gegen Audi steigt damit auf 20. Stadler hat jede Beteiligung an den Manipulationen bestritten und konnte sich trotz interner Kritik bisher als Audi-Chef halten.

Der Audi-Chef soll nach Beginn der Abgasaffäre im Herbst 2015 im eigenen Unternehmen Hinweise bekommen haben, dass außer bei Volkswagen auch bei der Ingolstädter VW-Tochter Autos mit manipuliertem Abgassystem gebaut und verkauft würden.

In der Abgas-Affäre stehen jetzt auch Audi-Chef Rupert Stadler und ein weiteres Vorstandsmitglied der VW-Tochter unter Betrugsverdacht.

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