Strafzölle gegen EU in Kraft - Ausland

"Inzwischen sind die großen Volkswirtschaften der Welt so eng miteinander verflochten, dass aus Handelskriegen keiner mehr als Gewinner hervorgeht, sondern alle verlieren", sagte Weil. China, das mit den USA in Handelsfragen auch über Kreuz liegt, reagierte verstört.

Nur zwei Stunden später war klar: Die Appelle in letzter Minute verhallten in Washington ungehört. Die Strafzölle führen dazu, dass Firmen aus Ländern in Europa ihren Stahl nicht mehr günstig in den USA verkaufen können. Einige Staaten wurden von den Zöllen jedoch zunächst vorläufig ausgenommen, darunter neben den Mitgliedern der Europäischen Union unter anderem Kanada und Mexiko.

Die EU will noch am Freitag Klage gegen die US-Sonderzölle auf europäische Stahl- und Aluminiumprodukte bei der Welthandelsorganisation WTO einreichen.

Der Autobauer rief dazu auf, den politischen Dialog zwischen den USA und der EU fortzusetzen - man unterstütze freien und fairen Handel. Doch darauf ließ sich Ross nicht ein. Dazu sagte US-Handelsminister Ross: "Wir waren nicht bereit, diese Bedingung zu erfüllen".

Macron kündigte an, dass die EU "entschlossen und angemessen" reagieren werde. So finden sich auf der Vergeltungszoll-Liste Produkte, die für die Wahlkreise von Unterstützern von Trump wirtschaftlich interessant sind.

Als kurzsichtig und selbstzerstörerisch bezeichnet denn Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), die angekündigten Strafmaßnahmen: "Mit der Eskalation in einem von ihm selbst initiierten Zollstreit riskiert US-Präsident Trump einen Rückschlag der transatlantischen Partnerschaft um viele Jahrzehnte". Die Bundesregierung nannte die Entscheidung der USA rechtswidrig und warnte vor einer Eskalation. "Wir halten diese einseitige Massnahme für rechtswidrig, die angeführten Gründe der nationalen Sicherheit tragen nicht", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag mit. Allerdings: 18,4 Prozent der niedersächsischen Exporte in die USA entfielen 2017 auf Autos und Wohnmobile - gut eine Milliarde Euro. Die Begründung, es handele sich um eine Maßnahme zur Stärkung der nationalen Sicherheit, sei so durchsichtig wie die Zielsetzung selbst. Problematisch sind die Einfuhrzölle allerdings für all jene Unternehmen, die Stahl verarbeiten und auf spezielle Produkte aus Ländern wie Deutschland angewiesen sind.

Massive Kritik an Trumps Entscheidung ist allerdings auch in den USA zu hören.

Warum verhängen die USA Strafzölle? Überkapazitäten von Stahl und Aluminium kämen aus China, nicht aus Europa. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hatte noch am Donnerstag bekräftigt, es werde eine starke Antwort der EU geben.

Ähnlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel während eines Besuchs in Portugal.

Kanzlerin Angela Merkel betonte kurz vor Bekanntgabe der Zölle, die EU werde "klug, entschieden und gemeinsam" antworten. So sah es auch die Wirtschaftsvereinigung Stahl, deren Präsident Hans Jürgen Kerkhoff forderte: "Es muss schnellstmögliche eine WTO-Entscheidung herbeigeführt werden". Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigte in Brüssel an: "Wir werden die Interessen der Union verteidigen".

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