Streit um Flüchtlingsboot: Spanien nimmt Migranten auf

Wegen eines anhaltenden Streits zwischen Italien und Malta wartet im Mittelmeer ein Schiff mit Flüchtlingen weiter auf eine Genehmigung zum Anlegen. Für die Geretteten wird die Zeit knapp.

Sowohl die neue Regierung Italiens als auch jene aus Malta fühlen sich nicht für die 629 Menschen auf dem Boot zuständig.

"Die Malteser können nicht immer Nein sagen, wenn es um die Schiffe geht, die Migranten im Mittelmeer retten", empörte sich Italiens Innenminister Matteo Salvini am Freitag. Die Rettung der Migranten sei in libyschen Gewässern erfolgt und von der italienischen Küstenwache koordiniert worden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, die EU-Kommission und die Bundesregierung hatten Italien und Malta zuvor eindringlich aufgerufen, die auf dem Schiff ausharrenden Menschen rasch aufzunehmen.

Die Flüchtlinge stammen aus 23 Nationen, von Marokko über den Sudan bis nach Pakistan. Sie befinden sich weiter an Bord des Schiffes "Aquarius". Pikant dabei ist, dass die Küstenwache die "Aquarius" auch zur Übernahme von Menschen aufforderte, die sich auf einem Schiff der italienischen Marine befanden - am Sonntagabend aber wurde der "Aquarius" dann mitgeteilt, die italienischen Häfen seien für sie gesperrt.

Salvini will damit die radikale Wende in der Flüchtlingspolitik durchexerzieren, an die er seinen Namen gebunden hat. In seinen Aufnahmeeinrichtungen hat das Land deshalb gegenwärtig noch Plätze frei. Doch nun sind wieder mehr Boote mit Migranten und Flüchtlingen in Richtung Europa aufgebrochen. Am Samstag musste Innenminister Salvini, der im Wahlkampf mit einer aggressiven Kampagne Stimmung gegen die Migranten machte, erstmals einem NGO-Schiff die Erlaubnis geben, mit über 200 Flüchtlingen den Hafen von Reggio Calabria anzulaufen. "Frankreich weist Flüchtlinge zurück, Europa schert sich nicht drum. Italien hat aufgehört, den Kopf zu senken und zu gehorchen, jetzt gibt es jemanden, DER NEIN SAGT". Sie erklärten, ihre Häfen stünden weiterhin Flüchtlingsschiffen offen. Unterstützung bekamen sie von Filippo Nogarin, dem aus den Reihen des M5S stammenden Bürgermeister von Livorno.

Im Tauziehen um die Aufnahme von 629 Flüchtlingen von einem Rettungsschiff im Mittelmeer hat sich Spanien bereit erklärt, die Menschen aufzunehmen. Die italienischen Behörden forderten Malta am Sonntag mehrfach auf, "das erste Mal nach sehr langer Zeit" Verantwortung zu übernehmen und dem Rettungsschiff "Aquarius" mit 629 Migranten an Bord Einfahrt in Valletta zu gewähren, wie das Innenministerium mitteilte. Wir reden hier über Menschen. Der Organisation zufolge sind an Bord auch 123 unbegleitete Minderjährige, elf kleine Kinder sowie sieben Schwangere. Laut SOS Méditerranée sind akute medizinische Notfälle nicht zu verzeichnen, doch viele der Passagiere seien dehydriert und von der Überfahrt in den Schlauchbooten geschwächt. Stattdessen hat es zwei Boote zur "Aquarius" geschickt, die medizinische Hilfe zur Verfügung stellen sollen, wenn dies notwendig werden sollte.

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