Trump, der Zerstörer - G7 in Kanada nachträglich entwertet

Nachdem US-Präsident Donald Trump den G7-Gipfel in Kanada in Abwesenheit mit Wutausbrüchen auf Twitter nachträglich zum Platzen gebracht hatte, schrieb der Senator aus Arizona: "Bündnisse, die auf 70 Jahren gemeinsamer Werte basieren", könnten nicht so einfach zerstört werden.

Der kanadische Premier habe sich während des Gipfels noch "zahm und mild" verhalten, um dann hinterher sein Verhalten zu ändern, erklärte Trump. Trudeau "hat uns wirklich irgendwie in den Rücken gestochen" sagte US-Präsident Donald Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow am Sonntag bei CNN.

Trudeau hatte am Samstag in seiner Pressekonferenz gesagt, die US-Strafzölle gegen die EU und Kanada, die Trump mit der Wahrung der amerikanischen Sicherheitsinteressen begründet, seien "etwas beleidigend".

Trudeau sei "sehr unehrlich und schwach", twitterte Trump daraufhin.

Zu den G7-Staaten gehören neben den USA die Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan. Er bezog sich dabei auf die Äußerung von Trudeau nach dem G-7-Gipfel, Kanada lasse sich von den USA nicht herumschubsen. "Das ist die Weise, wie es sein sollte", sagte Trump.

Vor seinem Abflug hatte sich Trump trotz der tiefen Gräben im transatlantischen Verhältnis noch zufrieden gezeigt.

Anno dazumal, als der grosse Federer noch spielte und "Despacito" das meist gesehene YouTube-Video überhaupt war, als US-Präsidenten per Twitter regierten und per Emojis geflirtet wurde. Sie schätze aber das "offene und direkte Verhältnis" mit dem US-Präsidenten.

Donald Trump brüskiert die Verbündeten beim G7-Treffen gleich mehrfach. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumte vor ihrer Abreise ein, dass damit der Dissens mit den USA in Handelsfragen "nicht aus der Welt" geschaffen sei.

Offenbar aus Verärgerung über eine Presseerklärung Trudeaus kurz nach dem Ende des G7-Gipfels in La Malbaie kündigte Trump die Vereinbarung abrupt auf. Teilnehmer sind die Staats- und Regierungschefs aus den USA, Kanada, Italien, Frankreich, Grossbritannien, Japan und Deutschland sowie der EU-Ratspräsident und der EU-Kommissionspräsident.

Russland war 2014 nach zwölfjähriger Vollmitgliedschaft wegen der Annexion der ukrainischen Krim aus der damaligen G8 ausgeschlossen worden. Trump erweiterte sie mit dem Vorstoß, Russlands Präsident Wladimir Putin wieder in die Gruppe der großen Wirtschaftsmächte aufzunehmen. Chancen auf Erfolg hat der Vorschlag nicht, weil ein solcher Beschluss nur einstimmig fallen kann.

Der neue italienische Premierminister Giuseppe Conte ist allerdings dafür. Trump ging sogar so weit, den westlichen Industrienationen eine totale Handelsblockade anzudrohen, sollten diese nicht umgehend als ungerechet empfundene Hemmnisse etwa für die US-Landwirtschaft abbauen. Trump habe der "wertebasierten Zusammenarbeit der führenden Wirtschaftsnationen einen schweren Schlag versetzt", sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU). "Wir müssen dieses kreative Geschwätz beenden und zu konkreten Fragen echter Zusammenarbeit übergehen", sagte Putin. Trump war aus dem Pariser UN-Klimaschutzabkommen ausgestiegen - und hatte sich damit weltweit isoliert. Die anderen fünf verpflichteten sich darauf, bis 2030 die vollständige Verwertung von Plastikmüll zu erreichen - vor allem, um ihn aus den Ozeanen zu verbannen.

Beim Streitthema Iran war das gemeinsame Ziel der Verhinderung einer iranischen Atombombe in der Abschlusserklärung festgeschrieben worden.

Will Trump sich damit genügend Spielraum bewahren, um den Ausbruch von Handelskriegen mit den amerikanischen Alliierten in Europa, Asien und Nordamerika zu verhindern?

Während sich die G7-Staaten bisher nur zu einer "Verbesserung" der Arbeit der Welthandelsorganisation (WTO) bekannt hatten, ruft die Abschlusserklärung in Kanada deutlich dazu auf, die WTO "zu modernisieren und so schnell wie möglich gerechter zu machen".

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