Trump spaltet mit dem G7-Eklat den Westen

Trump habe "mit seiner destruktiven Trotzreaktion der G7 nun auch noch die Rolle als Ort der Minimallösungen genommen und den Gipfel krachend scheitern lassen", so Hofreiter.

Putin äußerte sich, nachdem US-Präsident Donald Trump aus Verärgerung über kritische Äußerungen des G7-Gastgebers Kanada seine Zustimmung zu der gemeinsamen Abschlusserklärung widerrufen hatte.

Kanada selbst behaupte, einen Handelsbilanzüberschuss von fast 100 Milliarden Dollar mit den USA zu haben, schrieb Trump, ohne weitere Belege anzuführen.

Vor allem aber wird die Merkel-Aufnahme von den Trump-Fans in den USA ganz anders interpretiert. "Die Europäische Union ist brutal zu den USA, und sie wissen das". Dem erzkonservativen Sender Fox sagte er, es gebe "einen besonderen Platz in der Hölle für jeden ausländischen Regierungschef, der in böser Absicht Diplomatie mit Präsident Donald J. Trump betreibt und dann versucht, ihm ein Messer in den Rücken zu rammen, wenn er zur Tür hinausgeht". Der Kompromiss geht aber nicht wesentlich über Gipfelformulierungen aus dem vergangenen Jahr hinaus.

Ausdrücklich bekannten sich die Industriestaaten zu den Feststellungen von Hamburg und "unterstreichen die entscheidende Rolle eines regelbasierten Handelssystems und setzen den Kampf gegen Protektionismus fort". Mit einiger Mühe war es gelungen, auch Trump auf eine Abschlusserklärung zu verpflichten, in der vom Streben nach dem Abbau von Zollbarrieren, vom Abbau nichttarifärer Hindernisse und staatlicher Subventionen die Rede war.

Während des Treffens erging sich der US-Präsident in einem Luxushotel in prächtiger Landschaft in Freundlichkeiten. Aufgenommen von der Seite, zeigt es Trump, der mit den anderen Gipfelteilnehmern auf Augenhöhe verhandelt.

Störte den US-Präsidenten das denn gar nicht?

In La Malbaie schwänzte Trump nicht nur die Arbeitssitzung zum Klimaschutz, sondern auch ein Treffen mit Staats- und Regierungschefs aus etwa zehn Entwicklungs- und Schwellenländern wie Haiti, Ruanda und Argentinien.

Trotz der tiefen Gräben im transatlantischen Verhältnis zeigte er sich vor seinem Abflug zufrieden. Das Verhältnis zu den anderen sechs bewertete er mit der Bestnote 10 auf einer Skala von 1 bis 10. "Das heißt aber nicht, dass ich mit allem einverstanden bin, was sie tun", fügte er vor allem mit Blick auf den Handelsstreit hinzu. Zusammen mit dem Rückzug vom Kommuniqué droht Trump abermals mit Strafzöllen auf Autos - eine Drohung, welche die Deutschen besonders beunruhigt. Er warnt: "Die G6 wird es nicht geben, wenn die USA den Kreis verlassen, wenn sie isoliert sind, sind die G7 politisch nichts mehr wert". Dazu gebe es "keine Alternative", sagt Jäger. Damit widerspricht allerdings seiner bisherigen auf Abschottung abzielenden Handelspolitik komplett.

Erneut beklagte der US-Präsident ein seiner Ansicht nach zutiefst ungerechtes System des Welthandels. "Warum sollte ich, als Präsident der Vereinigten Staaten, anderen Ländern erlauben, weiterhin massive Handelsüberschüsse zu haben, wie schon seit Jahrzehnten, während unsere Bauern, Arbeiter und Steuerzahler so einen hohen und unfairen Preis zahlen müssen?"

Andererseits verlängerte sich die Liste der Streitfragen aber sogar noch. Die Gruppe sei bedeutsamer, wenn Russland dabei sei. Chancen auf Erfolg hat der Vorschlag aber nicht. Begründung: Sein bevorstehendes Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong Un in Singapur, das aber erst am Dienstag stattfindet. Doch Versprechen wie ein gemeinsames Abwehrsystem gegen Destabilisierungsversuche aus Russland oder China sowie die Förderung von Frauen in Entwicklungsländern wirken angesichts der Streitpunkte wie Nebenschauplätze, so sinnvoll sie sein mögen. Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte er am Samstag mit, die USA zögen ihre Zustimmung zum bereits verbreiteten gemeinsamen Abschlusskommunique zurück.

Andererseits mangelt es nicht an Stimmen, die Trump die Rolle des tapferen Helden zusprechen, der - allein gegen eine feindliche Übermacht - furchtlos für nationale Interessen kämpft.

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