Verdunklungsgefahr: Audi-Chef Stadler wegen Diesel-Affäre in U-Haft

In der Abgas-Affäre ist Audi-Chef Rupert Stadler verhaftet worden.

"Der Beschuldigte wurde der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat", teilte die Staatsanwaltschaft München mit. "Und das hat zu dem Haftbefehl geführt".

Die Wahrscheinlichkeit, dass Volkswagen, Daimler, BMW & Co. den Schaden bald selbst reparieren können, den sie angerichtet haben, ist am Montag kleiner geworden.

Am Wochenende hatte ein Audi-Sprecher der Heilbronner Stimme noch versichert, dass nichts dran sei an den Berichten, dass die US-Behörden eine Anklage gegen Stadler vorbereiteten.

München/Ingolstadt - Mit Audi-Chef Rupert Stadler ist zum ersten Mal in der Dieselaffäre ein Unternehmenslenker verhaftet worden.

Wegen dieser Vorwürfe hatte die Münchner Staatsanwaltschaft jüngst Stadlers Wohnung durchsucht. Dem Vernehmen nach soll die Entscheidung im Laufe des Nachmittags fallen. Sie sind die ersten amtierenden Vorstände unter den Beschuldigten. Ähnlich wie in Braunschweig geht es hier um den Verdacht, dass bei Audi Abgaswerte von Dieselmotoren manipuliert wurden, um gesetzliche Vorgaben zu umgehen. Eine persönliche Mitwisserschaft oder gar Beteiligung hat er jedoch bis heute bestritten.

Nach BamS-Informationen hat Stadler nach einem schriftlichen Hinweis vom 7. Dezember 2015 auf weitere Abgastricks nicht richtig reagiert.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, habe Stadler zunächst keine Angaben zur Sache gemacht. Die Ermittler legen den Managern "Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung" zur Last.

Audi soll in den USA und Europa von 2009 an rund 220.000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft haben. Die Ermittler stützten sich laut Medienberichten auf die Auswertung von Korrespondenz. Im März 2017 und im Februar 2018 hatte es in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und im Werk Neckarsulm bereits Razzien gegeben. Vergangene Woche hatte die Staatsanwaltschaft bereits ein Ermittlungsverfahren gegen Stadler sowie ein weiteres Mitglied des Audi-Vorstands eingeleitet. In Wolfsburg trat am Mittag der VW-Aufsichtsrat zusammen, um über die neue Lage und die Konsequenzen zu beraten. Wegen der laufenden Ermittlungen könne sich Volkswagen inhaltlich nicht zu dem Fall äußern, heißt es. "Für Herrn Stadler gilt weiterhin die Unschuldsvermutung". Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs, strafbarer Werbung und Urkundenfälschung. Schon seit zwei Jahren steht Stadler in der Kritik, immer wieder sind belastende Dokumente und Aussagen aufgetaucht. Das ist seit gestern ebenfalls Makulatur - auch wenn die Mitarbeiter im Neckarsulmer Audi-Forum bei der Fahrzeugübergabe unverändert freundlich lächeln. Nach der Festnahme haben die Vorzugsaktien von Volkswagen deutlich nachgegeben. Mit einem Abschlag von 1,93 Prozent auf 157,93 Euro waren sie am Vormittag der größte Verlierer im DAX. Ein echter "Car Guy" wie Winterkorn, der an jedem Auto jede Schraube kannte, der wochenlang im Jahr neue Autos testete, am Wochenende lieber an der Rennstrecke saß als zu Hause, das war Stadler dennoch all die Jahre nie.

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