Welle an Hiobsbotschaften für die Deutsche Bank

Die amerikanische Einlagensicherung FDIC habe das Geldhaus im ersten Quartal dieses Jahres auf eine Liste von "Problembanken" gesetzt, schrieb die "Financial Times" am Donnerstag unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Jedoch stieg das Gesamtvermögen der so eingestuften Institute im Quartalsvergleich um gut 42 Milliarden Dollar (36 Milliarden Euro) - das entspricht etwa der Bilanzsumme der US-Tochter der Deutschen Bank von zuletzt 42,1 Milliarden Dollar, so die Magazine. In diesem Zusammenhang seien auch Spekulationen vollkommen unbegründet, dass der Bank durch die politische Unsicherheit in Italien Belastungen drohen könnten.

Sewing sah sich angesichts der Hiobsbotschaften gezwungen, auf die in den vergangenen Jahren gestärkten Sicherheitspuffer der Bank hinzuweisen: "Auf Konzernebene steht unsere Finanzstärke außer Frage".

Schlechte Nachrichten für die Deutsche Bank: Die mächtige Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bonitätsnote des Geldhauses gekappt.

S&P begründete die Herabstufung, mit der am Kapitalmarkt gerechnet worden war, mit Zweifeln, ob die vom neuen Management unter Sewing auf den Weg gebrachte Strategie auch entsprechend umgesetzt werde: "Wir denken zudem, dass die Deutsche Bank im Vergleich zu den direkten Konkurrenten noch eine ganze Zeit der negative Ausreißer sein wird". Die Konzernleitung ließ verlautbaren, dass die Deutsche Bank sehr gut kapitalisiert ist und über erhebliche Liquiditätsreserven verfügt. Anleger reagierten dennoch beunruhigt, die Aktie fiel teils dramatisch. Die dritte große Ratingagentur Fitch hat die Bonitätsnote und den Ausblick für die Bank nach dem Wechsel an der Spitze von John Cryan zu Christian Sewing Anfang April dagegen nicht angerührt. Es gebe keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen.

Sewing betonte dagegen, dass weder die US-Töchter noch der Konzern Liquiditätsprobleme habe. Auslöser dafür sei eine frühere Einschätzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gewesen, der Hauptaufseherin für die Deutsche Bank in den Vereinigten Staaten.

Dem "Wall Street Journal" zufolge hatte die amerikanische Notenbank Fed das Institut schon vor rund einem Jahr auf eine der untersten Kategorien ihrer internen Bewertungsskala abgestuft und ihm den Status "in Schwierigkeiten" gegeben. An den Schwächen im US-Geschäft werde aber gearbeitet, hiess es weiter. Darüber hinaus musste die Deutsche Bank Milliarden wegen Marktmanipulationen und anderer Vergehen zahlen. Doch der Aktienkurs kam seither nicht dauerhaft aus dem Keller.

Analysten bleiben skeptisch. Am Freitag senkte RBC Capital das Kursziel von zwölf auf acht Euro. Zwar fiel die Strafe am Ende niedriger aus, die Bank jedoch erholte sich nie mehr richtig davon. Dem Institut drohen damit nun höhere Finanzierungskosten. Betroffen sind außer der Deutschen Bank die Citigroup und die Australia and New Zealand Banking Group (ANZ).

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