Berlin/Stuttgart/ Ettlingen 8 Verdi ruft Real-Beschäftige zu Warnstreiks auf

Nur noch 1.260 statt 1.550 Euro?

Die Gewerkschaft Verdi hat die rund 34.000 Beschäftigten der Supermarktkette Real für Freitag deutschlandweit zum Streik aufgerufen. In Hessen beteiligen sich nach Angaben der Gewerkschaft Real-Mitarbeiter aus Darmstadt, Dreieich (Offenbach), Eschborn (Main-Taunus), Groß-Gerau, Groß-Zimmern (Darmstadt-Dieburg), Kassel, Wiesbaden-Äppelallee und Wiesbaden-Mainzerstraße. Verdi rechnet mit mehreren hundert Teilnehmern.

Real hatte am Donnerstag versichert, alle Märkte blieben "wie gewohnt uneingeschränkt geöffnet". Hintergrund des Streikaufrufs ist die Entscheidung der Unternehmensleitung, sich aus den mit Verdi vereinbarten Tarifverträgen zu verabschieden und stattdessen neu eingestellte Mitarbeiter nach einem Tarifvertrag mit der Gewerkschaft DHV zu bezahlen, der für das Unternehmen deutlich günstiger ist. Der Mutterkonzern Metro habe zuvor Real in eine andere Gesellschaft übertragen.

DHV-Tarifverträge würden für die Angestellten bei Neueinstellung im Schnitt zu 23 Prozent weniger Geld und längere Arbeitszeiten führen. Für eine Verkäuferin in 60-Prozent-Teilzeit bedeute das einen Gehaltsverlust von derzeit 1547 Euro auf 1260 Euro brutto im Monat. "Wir kämpfen für Löhne, von denen man leben kann", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger in Berlin. Der Verdi Streikleiter für Rosenheim sagte: Sollte die Geschäftsführung nicht wieder zu den alten Flächentarifverträgen zurückkehren, können wir schon jetzt einen heißen Herbst versprechen.

Der Chef des Real-Mutterkonzerns Metro, Olaf Koch, wirft dagegen der Gewerkschaft vor, Verhandlungen über neue Tarifverträge, die sich mit dem wirtschaflich angeschlagenen Unternehmen und den Kosten vereinbaren lassen, abzublocken. Die bisherigen Tarifverträge hätten Real deutlich höhere Lohnkosten aufgebürdet, als sie vielen Wettbewerber zu tragen hätten. Das Unternehmen bezahle nun neueingestellte Mitarbeiter marktgerecht.

Der Handelsriese Metro will bei Real "wettbewerbsfähige Personalkosten" durchsetzen, um die Sanierung der Kette voranzutreiben.

Zudem drohten den Beschäftigten nicht nur niedrigere Löhne, sondern auch weniger Urlaubs- und Weihnachtgeld, die Abschaffung der Spätarbeitszuschläge und Zahlung von Nachtarbeitszuschlägen erst ab 22 Uhr.

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