Istanbul - Erdogan ernennt Schwiegersohn zum Finanzminister

Bei seiner Amtseinführung kündigte Albayrak strenge finanz- und haushaltspolitische Disziplin an, doch einige Beobachter trauen ihm nicht zu, sich gegen den Präsidenten zu stellen, wenn es hart auf hart kommt. Er werde nicht abweichen von dem "Ideal, wonach jedermann im Land grundlegende Freiheiten und Menschenrechte" genieße. Schon vor Wochen hatten internationale Finanzanalysten gewarnt, dass die Person des Präsidenten selbst die Hauptursache für die anhaltende Kapitalflucht und die damit verbundene Schwächung der türkischen Lira sei. Im Aussenministerium verbleibt Mevlüt Cavusoglu, im Justizministerium Abdülhamit Gül.

Ab sofort liege das Schicksal des ganzen Landes in der Hand eines einzigen Mannes, warnte der regierungskritische Journalist Levent Gültekin in einem Beitrag für die Internet-Plattform Diken. Mit dem Amtseid, den Erdogan am Nachmittag im Parlament ablegte, tritt nun die vor einem Jahr per Referendum angenommene neue Präsidial-verfassung in Kraft. Regierungsnahen Medien zufolge waren 22 Präsidenten und 28 Ministerpräsidenten dabei. Danach gibt es im Präsidentenpalast eine Zeremonie zur Einführung des in einem Volksentscheid beschlossenen Präsidialsystems, bei dem der Staatschef zugleich Regierungschef ist und die gesamte Exekutivgewalt innehat.

Erdogans Kritiker werfen ihm vor, das Land mit einer Bevölkerung von 81 Millionen Menschen in einen autoritären Staat zu verwandeln, von Werten wie Meinungsfreiheit und Demokratie abzurücken sowie die säkularen Strukturen zu zerstören, die der Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, aufgebaut hat. Geboren 1954 im Istanbuler Arbeiter- und Armenviertel Kasimpasa musste er als Kind auf der Straße Sesamkringel verkaufen, um zum Familienunterhalt beizutragen. Weil er das Amt nach den AKP-Statuten kein viertes Mal hätte übernehmen können, liess er sich 2014 zum Präsidenten wählen.

Erdogan hatte die Präsidentenwahl mit rund 52,6 Prozent der Stimmen gewonnen.

Bisher konnte Erdogan nichts stoppen, nicht einmal der blutige Putschversuch im Juli 2016.

Auch deshalb ist seine neue Allmachtstellung vielen nicht geheuer. 2004 war er als Ministerpräsident noch zum "Europäer des Jahres" gekürt worden.

Die Festnahme von EU-Bürgern in der Türkei und Erdogans Nazi-Vergleiche hatten die türkischen Beziehungen zu Europa stark belastet.

Wie jedes Jahr wusste das Openair Frauenfeld auch mit Ausgabe 2018 zu überzeugen.

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