Mit 81 Jahren: Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger ist gestorben

Da sich Nöstlinger als Hausfrau und Mutter eher langweilte, zeichnete und schrieb sie "Die feuerrote Friederike" (1970) - ein Klassiker bis heute.

Die österreichische Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Die Beerdigung in ihrem Geburtsbezirk Hernals fand im engsten Familienkreis am heutigen Freitag statt, wie Nöstlingers Verlag Residenz mitteilt. "Wir trauern um unsere großartige, warmherzige und ihrer Gesinnung stets treu gebliebene Autorin", ist auf der Startseite des Verlages neben einem Bild von Nöstlinger in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund zu lesen. In memoriam Christine Nöstlinger ändert der ORF sein Programm und zeigt den Film am Sonntag, dem 15. Juli 2018, um 20.15 Uhr in ORF 2 anstelle des "Tatort". Vor allem der Text war aber so erfolgreich, dass sie sich fortan dem Schreiben widmete.

Das Kinderbuch "Maikäfer, flieg!" über das Leben im nach dem Zweiten Weltkrieg zerbombten Wien wurde jüngst verfilmt. "Ich kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern, dass einmal kein Krieg war", heißt es darin.

Weitere prägende Titel aus ihrer produktiven Zeit sind etwa "Die Kinder aus dem Kinderkeller" (1971), "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" (1972), von dem über eine Million Bücher verkauft wurden, "Ein Mann für Mama" (1972), "Achtung, Vranek sieht ganz harmlos aus" (1974), "Rosa Riedl Schutzgespenst" (1979), "Der Hund kommt!". (1987) bis hin zu "Der Zwerg im Knopf (1989), "Anna und die Wut" (1990) und "Villa Henriette" (1996)".

Einige ihrer Bücher wurden auch verfilmt. Eine solche Einstellung markierte in Nöstlingers Anfangsjahren eine Zäsur innerhalb der Tradition der Zeigefinger-Kinderbuchliteratur und traf den liberalen Nerv der Generation nach 1968. 1997 bis 1998 war Nöstlinger Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation "SOS Mitmensch". Nicht nur bei Kindern, auch bei Erwachsenen erfreute sich Nöstlinger großer Beliebtheit, etwa ihre Dialekt-Gedichtbände "Iba de gaunz oaman Kinda" (1974), "Iba de gaunz oaman Fraun" (1982) und "Iba degaunz oaman Mauna" (1987). "Kleines Köchelverzeichnis für Männer" (1996) und "ABC für Großmütter" (1999) - eine Rolle, die sie selbst auch im Privatleben einnimmt. Für ihr Schaffen wurde Nöstlinger vielfach geehrt, etwa mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis (1984), dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln (1998) und den ersten Astrid-Lindgren-Preis, den "Nobelpreis für Kinderliteratur" 2003. "Meine eigene Kindheit ist schon eine historische und die meiner eigenen Kinder auch schon bald".

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